Amtsgericht Neu-Ulm
24.06.2026

Immer mehr Deepfakes im Netz / Bayerns Justizminister Georg Eisenreich fordert besseren strafrechtlichen Schutz / Die betroffene Münchner Schauspielerin Teresa Rizos schildert ihre persönlichen Erfahrungen / Minister Eisenreich: "Digitale Gewalt ist reale Gewalt und muss konsequent verfolgt und geahndet werden."

Im Internet kursieren immer mehr digitale Fälschungen, mehr als 90 Prozent der Deepfakes sollen im Internet in den Bereichen Pornografie und Nacktheit auftauchen. Die Deepfake-Opfer sind in aller Regel weiblich. Eines von vielen: die Münchner Schauspielerin Teresa Rizos (u. a. bekannt aus den BR-Serien "Servus Baby" und "Dahoam is dahoam“). In einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bayerns Justizminister Georg Eisenreich schilderte sie heute (24. Juni) ihre persönlichen Erfahrungen mit Deepfakes.

Eisenreich: "Pornografische Deepfakes sollen vor allem Frauen und Mädchen bloßstellen und erniedrigen. Niemand muss es sich gefallen lassen, dass sein digitales Erscheinungsbild durch eine Manipulation verfälscht wird. Deepfakes werden zum Mobben, in Rachepornos oder in betrügerischer Absicht eingesetzt. Sie verfügen über ein ähnlich hohes Schadenspotential wie eine Körperverletzung. Diesem besonderen Unrecht muss das Strafrecht gerecht werden."

Bislang gibt es aber keine konkrete Strafnorm für das Phänomen der Deepfakes. Justizminister Eisenreich setzt sich seit Jahren dafür ein, die Schutzlücken zu schließen. Bereits 2021 hatte er den strafrechtlichen Schutz vor Deepfakes bei der Justizministerkonferenz thematisiert. 2024 forderte Bayern in einer Bundesratsinitiative einen neuen Paragrafen 201b Strafgesetzbuch, um den strafrechtlichen Schutz vor sexualisierten KI-Bildern und anderen Deepfakes zu stärken (Pressemitteilung hier abrufbar). Der Bundesrat stimmte dem Gesetzentwurf zu. Die Ampelregierung hat den Gesetzentwurf nicht mehr behandelt. Im Juli 2025 beschloss der Bundesrat den bayerischen Gesetzentwurf erneut. Eisenreich: "Ich begrüße es sehr, dass das Bundesjustizministerium die Ankündigung zum Thema bildbasierte sexualisierte Gewalt aus dem Koalitionsvertrag derzeit umsetzt. Der Schutz von Frauen und Mädchen duldet keinen weiteren Aufschub. Der vorgelegte Referentenentwurf geht aus meiner Sicht aber nicht weit genug und wird dem Unrechtsgehalt von Deepfakes nicht ausreichend gerecht.“

Den im Referentenentwurf vorgesehenen Strafrahmen bei sexualbezogenen Deepfakes von bis zu zwei Jahren hält Minister Eisenreich für zu niedrig: "Digitale Gewalt ist reale Gewalt und muss konsequent verfolgt und geahndet werden. Für schwerwiegende Fälle wie der Verbreitung von pornografischen Deepfakes hatte ich deshalb bis zu fünf Jahre Haft gefordert."

Zudem fehlt in dem Referentenentwurf eine Regelung zum Identitätsmissbrauch. Bei diesem ebenfalls stark verbreiteten Phänomen schlüpfen Kriminelle im Internet in die Identität einer anderen Person, um dann den Ruf ihrer Opfer zu ruinieren oder sich zum Schaden anderer unrechtmäßig zu bereichern. Bayern hatte bereits im November 2025 auf der Justizministerkonferenz einen neuen Straftatbestand dazu gefordert. Eisenreich: "Die aktuelle Debatte um Deepfakes und weit verbreitete Cybercrime-Betrugsmethoden durch Nutzung von Fake-Profilen zeigt, dass gesetzgeberischer Handlungsbedarf besteht."

Eisenreich setzt sich darüber hinaus dafür ein, die Betreiber von Online-Plattformen bei strafbaren Inhalten stärker in die Pflicht zu nehmen. "Es geht nicht, dass Milliarden-Gewinne privatisiert, aber Probleme für Demokratie und Rechtsstaat sozialisiert werden", so der Minister.

Fotos der Veranstaltung werden zeitnah unter Medienportal - Bayerisches Staatsministerium der Justiz verfügbar sein.

Hintergrund:

Fachkundige Beratung zu allen Formen digitaler Gewalt gibt es anonym beim Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen (116 016).

Dauerausstellung Weiße Rose Saal

Ihren Mut zur Freiheit haben die Geschwister Scholl und vier ihrer Freunde mit dem Leben bezahlt. Wohin es führen kann, wenn die Dritte Gewalt im Staate ihre Unabhängigkeit verliert, zeigt die Dauerausstellung Willkür "Im Namen des Deutschen Volkes".


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