Amtsgericht Neu-Ulm
28.01.2026

Schwarze Schafe im Visier / Fünf Jahre "Bayerische Zentralstelle zur Bekämpfung von Betrug und Korruption im Gesundheitswesen" (ZKG) / Etwa 2.000 Verfahren seit der Gründung / Neuer Leiter in Nürnberg vorgestellt / Bayerns Justizminister Eisenreich: "Die Täter riskieren in Einzelfällen Menschenleben."

Seit mehr als fünf Jahren ermittelt die bei der Generalstaatsanwaltschaft Nürnberg angesiedelte "Bayerische Zentralstelle zur Bekämpfung von Betrug und Korruption im Gesundheitswesen" (ZKG) mit großem Erfolg. Bayerns Justizminister Georg Eisenreich: "Die Gesundheitsausgaben in Deutschland lagen im Jahr 2024 bei fast 540 Milliarden Euro. Vor diesem gigantischen Wirtschaftssektor machen Kriminelle nicht halt. Deshalb war es richtig und wichtig, dass wir eine zentrale Ermittlungseinheit für den gesamten Freistaat aufgebaut haben. Seit der Gründung im September 2020 bis Ende 2025 hat die ZKG insgesamt 1.995 Verfahren eingeleitet." Sie führten zu 118 Anklagen und 131 Strafbefehlen. Insgesamt mussten sich 335 Personen vor Gericht verantworten.

Der neue Leiter und sein interdisziplinäres Team

Im Dezember 2025 hat der frühere Vize-Chef Torsten Haase die Leitung der ZKG von Richard Findl übernommen. Eisenreich: "Mit dem Leitenden Oberstaatsanwalt Haase haben wir erneut eine Idealbesetzung gefunden. Bei den Ermittlungen geht es oft um sehr komplexe Sachverhalte. Torsten Haase bringt alles mit, was für die Leitung der ZKG erforderlich ist. Er verfügt über hervorragende fachliche Expertise, große Erfahrung und Kontakte zu Polizei, Krankenkassen und zur Kassenärztlichen Vereinigung." Torsten Haase arbeitet im Team mit 14 erfahrenen und spezialisierten Oberstaatsanwälten und Staatsanwälten, zwei IT-Spezialisten, vier Fachkräften für Abrechnungswesen im Gesundheitsbereich und einer Buchhaltungsfachkraft.

Um welche Delikte geht es?

Aufgabe der Zentralstelle ist die bayernweit einheitliche, spezialisierte und deshalb besonders effektive Verfolgung von Korruptions- und Vermögensstraftaten durch Angehörige der Heilberufe, wie z. B. Ärzte, Apotheker oder Pflegekräfte. Meistens geht es um Abrechnungsbetrug. Schmiergelder und Urkundenfälschung spielen nur eine untergeordnete Rolle. Seit dem 2. Juni 2021 ist die ZKG auch für alle Ermittlungen, die in Bayern wegen Betrugs im Zusammenhang mit Corona-Tests geführt werden, zuständig. Wenn die ZKG ermittelt, handelt es sich zumeist um Fälle von systematischem, organisiertem Betrug, bei denen der Schaden schnell im sechs- oder sogar siebenstelligen Bereich liegen kann.

Woher kommen die Hinweise?

Hinweise, beispielsweise auf möglichen Abrechnungsbetrug, kommen von der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns, von Krankenkassen, (früheren) Mitarbeitern oder Angehörigen von Betroffenen. Die ZKG hat zudem ein Hinweisgebersystem etabliert. Unter https://zkg.integrityline.app können Betrugsfälle anonym gemeldet werden. Durch ein gesichertes Postfach kann die ZKG Rückfragen stellen, ohne die Identität der Hinweisgeber zu enttarnen. Eisenreich: "Seit der Einführung im Oktober 2021 bis Ende 2025 wurden 676 Verfahren nach anonymen Hinweisen eingeleitet."

Wie hoch ist der Schaden im Gesundheitswesen?

Bislang gibt es keinen belastbaren Überblick, lediglich Schätzungen basierend auf einer englischen Studie. Umgerechnet auf Deutschland läge der jährliche Schaden bei etwa 30 Milliarden Euro. Bayerns Justizminister setzt sich seit langem u. a. im Rahmen der Justizministerkonferenz für eine Dunkelfeldstudie ein, um sich ein Bild über das wahre Ausmaß der Falschabrechnungen zu machen. Der GKV-Spitzenverband (Gesetzliche Krankenversicherung) hat im vergangenen Oktober eine umfassende Studie zu Betrug im Gesundheitswesen gestartet. Minister Eisenreich begrüßt das: "Die Menschen im Gesundheits- und Pflegebereich setzen sich mit großer Hilfsbereitschaft für die Gesundheit anderer ein. Ich möchte allen, die unsere Gesundheit schützen, herzlich danken. Der Großteil der Leistungserbringer verhält sich redlich. Unsere Ermittler haben gezielt die schwarzen Schafe im Blick, denen es nicht um das Wohl und die Gesundheit ihrer Patienten geht, sondern darum, sich ungerechtfertigt zu bereichern. Die Täter verursachen hohe finanzielle Schäden und riskieren in Einzelfällen Menschenleben."

Wie viel Geld konnte die ZKG zurückholen?

Seit der Gründung haben Gerichte in Verfahren der ZKG Wertersatz über 22 Millionen Euro angeordnet. Es gelingt den Ermittlern auch, Sachwerte wie Luxusfahrzeuge einzuziehen. In einem Betrugsfall mit Corona-Tests aus dem Jahr 2021 konnte ein Lamborghini gepfändet werden. Hinzu kommen freiwillige Rückzahlungen der Beschuldigten in beachtlicher Höhe. Nach den Erfahrungen der Zentralstelle zahlen Beschuldigte im Gesundheitswesen deutlich mehr zurück als Täter in anderen Deliktsbereichen.

Minister Eisenreich: "Der Abrechnungsbetrug verursacht und verschärft Schwierigkeiten im Gesundheitswesen. Steigende Kosten belasten die Krankenkassen und damit auch die gesetzlich Versicherten und ihre Arbeitgeber. Fast jede zweite Kasse hat zum Jahreswechsel ihren Zusatzbeitrag erhöht. Wir müssen das Gesundheitswesen vor Betrug und Korruption schützen. Ich möchte mich bei den engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der ZKG für ihren Einsatz bedanken und wünsche dem Team um Torsten Haase weiterhin viel Erfolg."

Fotos der Veranstaltung werden zeitnah unter Medienportal - Bayerisches Staatsministerium der Justiz verfügbar sein.

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Ihren Mut zur Freiheit haben die Geschwister Scholl und vier ihrer Freunde mit dem Leben bezahlt. Wohin es führen kann, wenn die Dritte Gewalt im Staate ihre Unabhängigkeit verliert, zeigt die Dauerausstellung Willkür "Im Namen des Deutschen Volkes".


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