Pressemitteilung 4/2026 vom 26.01.2026
Nach Auslieferungen aus Israel: Weitere Anklageerhebungen gegen mutmaßliche Verantwortliche der betrügerischen Cybertrading-Plattform GetFinancial
(Fortschreibung der Pressemitteilungen PM Nr. 19/2021, PM Nr. 3/2023 und PM Nr. 9/2024)
Bamberg/Regensburg. Nach umfangreichen und langwierigen Ermittlungen gemeinsam mit der Kriminalpolizeiinspektion mit Zentralaufgaben Oberpfalz hat die Zentralstelle Cybercrime Bayern im Oktober 2025 Anklagen gegen zwei weitere mutmaßliche Verantwortliche u.a. der betrügerischen Anlageplattform GetFinancial zu einer Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Bamberg erhoben.
Weltweit tätiges Betrugsnetzwerk
Den beiden Angeklagten wird jeweils vorgeworfen, über Jahre hinweg in herausgehobener Funktion für eine weltweit agierende Organisation tätig gewesen zu sein.
Aus Callcentern in Israel, Georgien, der Republik Moldau und Armenien wurden gutgläubige Kunden aus Deutschland und zahlreichen weiteren Staaten dazu bewegt, auf einer Vielzahl von betrügerischen Plattformen im Vertrauen auf eine lukrative Anlagemöglichkeit teilweise hohe Geldsummen zu investieren („Cybertrading Fraud“). Die Täter spiegelten dabei den potenziellen Kunden vor, digitale Plattformen für den Handel mit unterschiedlichsten Finanzinstrumenten zur Verfügung zu stellen. Die eingezahlten Gelder wurden jedoch nach den durchgeführten Ermittlungen zu keinem Zeitpunkt einer Kapitalanlage zugeführt, die von den Kunden genutzte Handelsplattform war ebenso wie das angebliche Kundenkonto eine reine Täuschung. Die Geschädigten verloren in der Regel ihr gesamtes Investment.
Zugriff in Georgien und Israel bereits im Oktober 2021
Die seit Ende 2018 geführten Ermittlungen der Kriminalpolizeiinspektion mit Zentralaufgaben Oberpfalz und der Zentralstelle Cybercrime resultierten bereits im Oktober 2021 zu einem gemeinsamen Action Day mit den zuständigen Behörden in Georgien und Israel (zu den Einzelheiten vgl. Pressemitteilung vom 27.10.2021, PM Nr. 19/2021).
Seitdem schreitet die in Anbetracht der internationalen Verflechtungen langwierige und herausfordernde justizielle Aufbereitung voran. Es handelt sich bereits um die achte bzw. neunte Anklage der Zentralstelle Cybercrime Bayern in diesem Verfahrenskomplex. Seit April 2023 wurden in sechs verschiedenen Verfahren bereits acht Männer und zwei Frauen von den Landgerichten Regensburg und Bamberg zu Gesamtfreiheitsstrafen zwischen 2 Jahren 6 Monaten und 5 Jahren 9 Monaten verurteilt. Auf die Pressemitteilungen vom 17.02.2023, PM Nr. 3/2023, und 26.06.2024, PM Nr. 9/2024, wird verwiesen.
Erneut Mitglieder der Führungsriege angeklagt
Angeklagt sind nun zwei Männer, die nach dem Ergebnis der Ermittlungen der Führungsriege des Betrugsnetzwerkes angehörten:
1. Einem 41-jährigen israelischen Staatsbürger mit Anwaltszulassung in Israel wird maßgeblich vorgeworfen, Leiter der sog. „Rechtsabteilung“ der Tätergruppierung gewesen zu sein. In dieser Funktion soll er unter anderem den Aufbau des aus unzähligen Scheinfirmen bestehenden Firmenkonstrukts der Tätergruppierung verantwortet und hierbei auch Rechtsgutachten zur Vorlage bei Banken und Behörden erstellt haben. Der in Deutschland nicht vorbestrafte Angeklagte soll zudem im Laufe seiner Tätigkeit zum Miteigentümer mit einem Unternehmensanteil von 15 % aufgestiegen sein und während des ihm zur Last gelegten Tätigkeitszeitraums von 2015 bis 2020 persönlich einen Betrag in Höhe von (umgerechnet) über 3 Millionen EUR für sich vereinnahmt haben.
Dem Angeklagten wird ein in der Bundesrepublik Deutschland verursachter Gesamtschaden in Höhe von über 5,1 Millionen EUR und die Beteiligung am Betrieb von sieben betrügerischen Anlageplattformen vorgeworfen. So sollen z. B. auf der Plattform GetFinancial insgesamt 99 identifizierte Geschädigte aus Deutschland etwas mehr als 2 Millionen EUR verloren haben.
2. Dem weiteren Angeklagten wird zur Last gelegt, als angestellter Geschäftsführer (CEO) im Zeitraum 2017 bis 2021 die operativen Geschäfte der Tätergruppierung geleitet zu haben. Der in Deutschland nicht vorbestrafte 51-jährige israelische Staatsbürger soll in dieser Funktion die Tätergruppierung umstrukturiert und die Arbeitsabläufe im Sinne eines kriminellen Unternehmens professionalisiert haben. Führungspositionen in den Callcentern sollen durch ihn besetzt, operative Entscheidungen zum Aufsetzen und Betrieb neuer Plattformen durch ihn getroffen worden sein. Er soll hierbei im Tatzeitraum für seine Tätigkeit einen Betrag in Höhe von mehr als 1,7 Millionen EUR selbst vereinnahmt haben.
Dem Angeklagten wird ein weltweit verursachter Gesamtschaden von mehr als 30,6 Millionen EUR vorgeworfen. So sollen z. B. auf der weiteren Plattform ProCapitalMarkets 149 Geschädigte aus zahlreichen Staaten Einzahlungen in Höhe von mehr als 8,6 Millionen EUR getätigt haben. Auf der Plattform ProfitsTrade wurden von 221 Geschädigten mehr als 7,6 Millionen EUR investiert.
Beide Angeklagte wurden nach mehr als 3 Jahre andauernden Auslieferungsverfahren im April 2025 aus Israel nach Deutschland ausgeliefert und befinden sich seitdem in verschiedenen bayerischen Justizvollzugsanstalten in Untersuchungshaft.
Anfang Februar wird die Hauptverhandlung gegen den 51-jährigen Angeklagten vor der Cyber-Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Bamberg beginnen. Die Anklage wurde unverändert zur Hauptverhandlung zugelassen. Über die Eröffnung des Hauptverfahrens gegen den 41-jährigen Tatbeteiligten wurde noch nicht entschieden.
Gegen weitere Mitglieder der Tätergruppierung dauern die Ermittlungen der Zentralstelle Cybercrime Bayern und der Kriminalpolizeiinspektion mit Zentralaufgaben Oberpfalz an.